Der Kosmopolit
Geheimdienst-Geschichten sind ja schwer klischeeisiert. Das wahrscheinlich Unzutreffendste bekommen wir alle paar Jahre im neuen Bond serviert und auch ansonsten sieht’s in der Unterhaltungs-Industrie eher nach einem unterhaltsamen, spaßigen Job aus, wenn man sich The Avengers oder die U.N.K.L.E.-Filme anschaut. Mit “24” wird dem Fernsehgucker in Terror-Zeiten eine weitere Seite der Geheimdienstlerei aufgetischt, die zwar hochgradig spannend ist, aber, denkt sich der kritische Betrachter, wird uns da nicht wieder ein Haufen Gut-gegen-Böse-Figuren aufgetischt, die der Realität so nicht entsprechen?

Vor gar nicht all zu langer Zeit hat sich Comic-Autor Sascha Thau dem ganzen Thema angenommen und so viel recherchiert, dass es fast schade ist, dass am Ende daraus „nur“ ein Comic geworden ist. Was heißt da nur? Es ist in meinen Augen eins der besten Dinger, die in den vergangenen zehn Jahren von einem deutschen Autor und Zeichner abgeliefert wurden. Wie schon erwähnt, topp recherchiert! Und das will schon mal was heißen, denn meistens verarbeiten Zeichner hierzulande ja nur allzu gerne lediglich ihren eigenen Seelenmüll. Also, ein politischer Comic, voller Statements und Zitaten, die ordentlich food for thoughts geben, eingebettet in eine rasante Handlung, die nicht nach 08/15-Dramaturgie-Ablauf funktioniert.
Kurz zum Inhalt und dann weiter gelobhudelt:
Die CIA beschließt, Simon Bjarnason aka der Kosmopolit, in den Ruhestand zu schicken. Dass der weltgrößte Geheimdienst diesen nicht mit einer Uhr belohnt und Simon keinesfalls ab sofort auf der Post seine Rente holen geht, dürfte klar sein. Doch auch ein Agent will leben und so dreht er kurzerhand den Spieß um… So ganz nebenbei erfahren wir noch eine Menge über die Strukturen und Machenschaften der CIA und fiebern einem Ende entgegen, dass John Woo vor Neid erblassen läßt.
Sascha Thau ist es hier nicht nur gelungen, einen tief gehenden Thriller zu erzählen, der öfters als einem Lieb ist, Fragen ethischer und moralischer Natur an den Leser stellt und ein Alles-in-Ordnung-Weltbild angreift. Er hat – und hier bin ich wirklich Feuer und Flamme – auch einen sehr eigenen, gut durchdachten Erzählstil entdeckt, der Zeit braucht, um ihn als Leser zu knacken. Denn die Handlung läuft nicht von A nach B, sondern liefert uns einen Haufen Fragmente, die wir selber verstehen müssen. Das mag abschreckend klingen, befindet man sich aber erstmal im Lesefluss, lässt einen die Story nicht mehr los… und wenn man nicht alles auf Anhieb versteht: Bei Comics muss man nicht zurückspulen, um genauer hinzugucken!
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