Les Mercredis : Lächeln kostet extra
Schon interessant, dass gerade die zwei (ja, zwei!) Hidden Tracks auf dem Debüt von Les Mercredis die gesamte musikalische Breite der Band ziemlich treffend beschreiben: Der eine ist ein rein elektronisches, Drum’n’Bass (jaha, Drum’n’Bass!) angehauchtes Instrumentalstück (wenn euch die Melodie am Ende bekannt vorkommt – zwei Stunden Nachdenken haben mich auf Postal Service gebracht), der zweite ein mit Akustikgitarre, Bass und (Bongo?-)Trommel eingespielter, klassischer Gitarrenpop-Song. Wie man diese zwei doch so unterschiedlichen Stilrichtungen miteinander verflechten kann, zeigen die drei Herren aus Siegen auf dem Rest (bzw. im Hauptteil) des Albums, das nun nach einigen mehr oder weniger großen Katastrophen (Schlagzeuger weg, Tour schlecht gelaufen, technische Probleme im Studio) das Licht der Welt erblicken durfte.
Dabei poppt das alles gar nicht so nett und fröhlich, wie man jetzt erwarten würde – die Mercredis wählen lieber die düstere Variante der Gitarren-Elektro-Mixtur, mit stampfendem Drumcomputer, fiependen Synthies und nervöser Snare, die an frühe bis mittlere bis späte New Order erinnern. Und wenn sie dann noch so schön angespannt und auf den Punkt klingen wie in “Will nicht”, kann man sich auch mal beim Kopfnicken und Fußwackeln ertappen. Ihre besten Momente hat die Band dabei, wenn sie genau weiß, wo sie jetzt hin will – Elektropunk mit einigen 80er-Industrial-Anleihen oder Elektropop, der stellenweise wie ein durch den Computer gejagter Kettcar-Klon klingt, wobei die Stimme von Thomas Wied diesem Vergleich auch in keinster Weise im Weg steht. Vor allem “Sowas von egal” und “Sekundenschlaf” (vgl. “Balkon gegenüber” und “Landungsbrücken raus”) zitieren bzw. kopieren die Hamburger Kollegen, ohne mit der Wimper zu zucken.
Über die Texte kann man sich (wie auch bei Kettcar und grundsätzlich allen deutschsprachigen Bands) wahrscheinlich streiten, wenn man gerade nichts besseres zu tun hat – hab ich aber, deshalb wird an dieser Stelle nicht diskutiert, sondern einfach zur Bildung einer eigenen Meinung aufgefordert. Sowas wie “von mir zu dir bin ich am Übergang gescheitert” (aus “Zeugenstand”) kann sich aber problemlos sehen bzw. hören lassen.
“Lächeln kostet extra” könnte vor allem laut, live und auf der Tanzfläche ganz gut funktionieren und dort die Schwächen der Platte ausgleichen, der an einigen Stellen leider einfach der nötige Druck und Zielstrebigkeit fehlen. Gerade das schon erwähnte “Sekundenschlaf” plätschert zwar nett, aber unmotiviert durch die Gegend, als wäre den Jungs plötzlich der Saft ausgegangen. Dabei können sie doch auch anders und das nicht einmal so schlecht. Wir sehen uns auf jeden Fall auf Tour.
(Capitol East Records / Radar Music)


