Oscar Wilde als Staubfänger
Irrungen und Wirrungen drohen Meg Windermeres Ehe zu zerstören. Die Fehlbesetzung tut das Ihre dazu.
Es ist die Feier zu ihrem 21. Geburtstag, und die Ereignisse überschlagen sich, die Gerüchteküche brodelt: Meg Windermere (eigentlich immer auf die Etiquette bedacht) möchte ihren Mann verlassen und in Lord Darlingtons Arme fliehen (seinerseits als Playboy verschrien) – und das in einem nicht ganz sittsamen Kleid. Schuld daran: Mrs. Erlynne (Helen Hunt), die sich gern von reichen Männern aushalten lässt, so auch von Megs Gatten. In diesem Sommer in Amalfi hat die Femme Fatale einiges durcheinander gebracht. Und muss durch eine Lüge wieder Ordnung in die amerikanische High Society bringen. – Es ist eine malerische italienische Küste der Dreißigerjahren, auf der bunte Sommerkleider und hübsche Kopfbedeckungen spazieren getragen werden. 93 Minuten lang versucht Mike Barker mit seiner leicht modernisierten Adaption von Oscar Wildes Stück “Lady Windermeres Fächer” zu unterhalten, streckenweise vermögen die Irrungen durch ihre Vorhersehbarkeit jedoch höchstens zu langweilen. Selbst die erlesenen Spitzfindigkeiten über Geschlechterrollen und Moral erschöpfen sich. Die Ausstattung mag perfekt sein, und auch Helen Hunt bewegt sich charmant durchs entworfene Ambiente; was die weich gezeichnete Gesellschaftssatire jedoch nicht interessiert: eine passende Meg Windermere zu finden. Die naive Ehefrau, in deren Haut Scarlett Johansson schlüpfen soll, will ihr nicht passen. – Der verwegene Frauentyp in Woody Allens neuem Film “Match Point” hingegen schon. Doch das ist eine andere Geschichte…
A Good Woman – Ein Sommer in Amalfi
E/I/USA 2004
Regie: Mike Barker
Mit Helen Hunt, Scarlett Johansson, Tom Wilkinson
Verleih: Constantin Film
93 Minuten


