The Ashes Of Creation : First Breath After Coma
Wie, die kommen nicht aus Großbritannien? Und was soll das heißen, kein Retro-New-New-Wave? Auch kein Indiepop? Und das soll ich mir jetzt anhören?! Ich bitte dich! Ach, produziert von Guido Lucas, dieser Blackmail-Scumbucket-Ken-Typ? “Pop Noir” soll das sein? Steh ich zwar auch nicht drauf, klingt aber interessant… Meinetwegen, weil du so nett fragst. Man muss ja flexibel sein heutzutage.
“Flexibel” ist auch das Wort, das den Sound von The Ashes Of Creation ganz gut beschreibt – ein anderes wäre Experimentierfreudigkeit. Doch zuerst einmal die Formalitäten: Der Siebener aus Marsberg (wo auch immer DAS sein mag) rockt sich quer durch die Stilpalette der Gitarrenmusik, angefangen bei düsterem Folk mit Querflöte über elektronische Spielereien hin zu mit dem Klavier begleiteten Balladen und einem wohl von Tom Waits inspiriertem Stück mit Akustikbass. Dazwischen einige beinahe-Hardcore-Songs, Orgel, etwas über’s Ziel hinaus geschossener Sprechgesang und ein, zwei ganz okaye klassische Alternative-Rock Songs.
Langweilig wird es also nie, zuweilen aber ganz schön nervig, wenn die Querflöte mal wieder wie aus dem Nichts um die Ecke geschossen kommt, die Oberhand über die restlichen Instrumente gewinnt und lautstark vor sich hindüdelt – da muss man sich auch nicht wundern, wenn man (wie das Infoblatt verrät) schon mal ins “Gothic-verlobte Zillo-Umfeld” gesteckt wird. Die musikalische Verwandtschaft zu diversen Mittelalter-Folk-Gothic-Rock-Gruppierungen ist zumindest für den auf diesem Gebiet unerfahrenen Hörer nicht von der Hand zu weisen. Und Texte wie “Here comes the loneliness, the bitterness of things, a faithless affection to carry on” tun da auch nur ihr Übriges.
Trotzdem – gerade der abwechslungsreiche Sound und die anständige Produktion (sprich: Man kann die einzelnen Instrumente wirklich auch raushören, ohne im Geräuschbrei unterzugehen) könnten dieses Debüt für Fans der dunkleren Gangart ganz interessant machen. Wer auf “knackigen”, düster angehauchten Rock-Pop-Rock mit den üblichen Features (dicker Bass, Gitarrenwände, intensiver Männer- und Frauengesang) und einigen Eigenheiten (Elektronik, nervige Querflöte, intensiver Männer- und Frauengesang – sic!) steht, wird an den Ashes Of Creation seinen Gefallen finden.
(Capitol East Records / Radar Music)


