Great Lake Swimmers
Mit Wasser verbindet man gemeinhin Ruhe und Reinheit. Wenn sich jemand musikalisch aufmacht, die Großen Seen an der Grenze zwischen Kanada und Amerika zu durchschwimmen, lässt dies auf großen Mut und seelischen Tiefgang schließen. Genau so verhält es sich auch bei Songwriter Tony Dekker.

Der Name “Great Lake Swimmers” bezieht sich, wie schon angedeutet, auf die Großen Seen Lake Erie, Lake Ontario und Lake Huron, wo Tony aufwuchs. Als Kind schwamm er dort tatsächlich und er meint, dass der Bandname auch eine kleine Ehrerbietung an die Marathonschwimmer ist, die durch diese Seen geschwommen sind.
Inzwischen lebt Tony in Toronto, solange er nicht auf Tour ist und schlägt sich wie so mancher Musiker mit Gelegenheitsjobs durch. Vor einer ganzen Weile arbeitete er u.a. bei einer Filmgesellschaft und besuchte eine Kunstschule, bevor er sich ganz der Musik widmete. “Ich hatte auch kurz überlegt, ob ich nicht vielleicht Buchautor werden oder etwas Visuelles machen sollte, aber eigentlich ist es ja alles dasselbe. Alle Kunst kommt vom selben spirituellen Ort, erzählt er und spricht damit wohl so etwas wie die Künstlerseele an, die den meisten ambitionierten Musikern innewohnt. “Ich verwende Akkorde und Melodien, mit denen ich am leichtesten meinen Standpunkt klarmachen kann. Musik ist in meinen Augen ein sehr direkter Weg, sich auszudrücken.”
Ganz nackt und verletzlich klingen seine Songs, aber nicht ohne eine gewisse Wärme zu verströmen. “Meine Songs sind für mich zu einer warmen und schützenden Kleidung geworden,” bringt es Tony auf den Punkt. Man gewinnt den Eindruck eines nächtlichen Rendezvous an einem See. Eine Brise weht das Grillenzirpen herüber (man hört es tatsächlich auf dem Album) und man lässt sich sanft ins kühle Wasser gleiten. Tony Dekker sitzt am Rand und klimpert gedankenversunken, aber bedächtig seine Akkorde zum Flackern des Lagerfeuers. Überhaupt strahlt das Debütalbum des 28-jährigen eine seltene Unvermitteltheit aus. Als ob er wirklich neben einem säße, klingt es so sachte aus den Lautsprechern, dass man das Rauschen des mitlaufenden Aufnahmegeräts hört. Gerne wird berichtet, wie das Album durch die Wahl eines Getreidesilos als Location seinen besonderen Sound erhielt und wie Tony auf Grillen-”Jagd” ging.
All das würde allerdings nicht seine Wirkung entfalten ohne die Songwriter-Qualitäten des jungen Kanadiers. Man muss schon tief in die Vokabelkiste greifen, um die aufs Wesentliche reduzierten Songs einzuordnen. Es sind Oden an die Einsamkeit und doch nur ein kleiner Ausschnitt aus einem umfangreichen Epos. “Sie sind Teil eines größeren Werks. Ich habe aber dann genau diese Songs für das Album ausgewählt, weil sie sich thematisch ähnelten, so dass eine Verbindung untereinander besteht. Es sind einsame Songs, mit denen ich hoffe, jenen eine Freude zu machen, die sich alleine fühlen. Sie geben wahrscheinlich einen guten Soundtrack der Einsamkeit ab, funktionieren aber auch für eine besonders enge Freundschaft.” Was macht für ihn eine solche Beziehung aus? “In meinem Freundeskreis gibt es vor allem Menschen, die gute Geschichten erzählen können,” antwortet er auf die Frage, ob er besser mit Männern oder Frauen kann. Auch wenn seine Musik es vermuten ließe, scheint Tony kein einsamer Mensch zu sein. Das Ein-Mann-Projekt ist auch auf der Bühne geselliger geworden: “In Toronto habe ich eine komplette Band mit einer Lap-Steel-Gitarre, Akkordeon, Banjo und Schlagzeug usw. Aber eigentlich ist die Zusammensetzung bei jedem Auftritt anders, je nach dem, wer gerade dabei ist. Wir sind eine Art musikalisches Kollektiv mit mir an der Spitze und manchmal gibt es mich auch als Solist. Obwohl ich eine tolle Backing-Band habe, mag ich es, dass die Songs auch alleine – nur mit mir und meiner Gitarre – funktionieren. Darauf basiert das ganze ja schließlich und die Songs sind so stark, dass sie auch so wirken.”
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www.greatlakeswimmers.com (bearbeitung: manuel schülke)


